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Inflationsgefahren ... und wie man sich dagegen schützen kann (2. April 2009)

"Was passiert, wenn diese Rezession einigermaßen vorbei ist, wir aber ein enormes Volumen an Liquidität in die Märkte hineingepumpt haben - mit der möglichen Gefahr einer weltweiten Inflation?"

Diese Frage stellte unlängst Bundesfinanzminister Peer Steinbrück. Mit den möglichen Antworten sollten sich auch Haus- und Wohnungsbesitzer mit laufenden Immobiliendarlehen beschäftigen. Für Bau- und Kaufwillige lassen sich ebenso praktische Konsequenzen ableiten. Aber der Reihe nach ...

Seit dem Zusammenbruch der US-Bank Lehman Brothers ist die Krise, die mit Problemen auf dem amerikanischen Immobilienmarkt begann, zur Weltfinanz- und Weltwirtschaftskrise geworden. Weltweit pumpen Regierungen Billionen in die Märkte, um sich durch Konjunkturprogramme aus der globalen Rezession zu befreien. Keiner der Staaten, die sich an diesen Konjunkturspritzen beteiligen, hat diese Summen auf der hohen Kante. Es handelt sich durchweg um geborgtes Geld. Geld, das die Staaten sich letztendlich bei ihren Bürgern leihen und das zurückgezahlt werden muss.

Viele Experten sind der Ansicht, daß die heutigen Konjunkturprogramme zu einer langfristig höheren Inflation führen werden. Es gibt wichtige Gründe, die dafür sprechen. Zum einen ist die Alternative - konsequentes Sparen des Staates im Aufschwung - kaum vorstellbar. Selbst in konjunkturell seligen Zeiten hat es die Bundesrepublik Deutschland nicht geschafft, Teile des angesammelten Schuldenberges abzutragen. Zum anderen haben nahezu alle europäischen Finanzminister ein handfestes Interesse an Preissteigerungen. In fast allen Ländern der Euro-Zone gelten progressive Steuersysteme, bei denen der Fiskus von inflationsausgleichenden Lohnsteigerungen überproportional profitiert.

Was kann man also tun, wenn mittel- und langfristig die Inflation steigt?

In einer Phase allgemeiner Teuerung sind Sachwerte gefragt. Der wohl wichtigste Sachwert eines normalen Bürgers ist das eigene Haus bzw. die eigene Wohnung. Wenn das Geld an Wert verliert, dann drückt sich das in steigenden Immobilienpreisen aus. Für Haus- und Wohnungseigentümer heißt das: Herzlichen Glückwunsch. Für Menschen, die sich mit dem Thema Immobilienerwerb beschäftigen, aber sich noch nicht zu dem Schritt entschließen konnten, bedeutet das: Warten Sie nicht mehr ewig!

Die Frage nach der richtigen Zinsbindung ist aus dieser Sicht leicht zu beantworten: Je länger, desto besser. Natürlich ist es nicht ausgeschlossen, daß die Immobilienzinsen weiter fallen. Aber wer ein Szenario erwartet, wie es oben beschrieben wurde, der sieht weniger die Chance auf noch günstigere Zinsen als das Risiko von steigenden.

Dazu ein Beispiel:

Kunde Hans Mustermann finanziert sein Traumhaus zu 100 Prozent und nimmt dafür 150.000 Euro Darlehen bei der Bank XY auf. Sein Eigenkapital von knapp 8.000 Euro reicht für die Erwerbsnebenkosten, also für Finanzamt, Notar und Grundbuchamt. Da er nebenbei noch leben will, entscheidet er sich nur für die Mindesttilgung von anfänglich 1 Prozent pro Jahr, was bei einem Zinssatz von 5 Prozent zu einer Rate von 750 Euro führt.

Da Hans Mustermann nicht nur bei der Tilgung, sondern auch bei der Zinsbindung gespart hat, ist nach 10 Jahren die Anschlussfinanzierung fällig. Auch eine Sondertilgung war in dieser Zeit nicht möglich, so dass die Restschuld bei 130.589 Euro liegt.

Der Zinssatz ist in diesen 10 Jahren von 5 auf 6,5 Prozent gestiegen. Damit das Darlehen nicht 40 Jahre läuft, erwartet die Bank eine Tilgung von nunmehr 2 Prozent pro Jahr. Für Hans Mustermann bedeutet das, dass die Rate von 750 Euro auf 925 Euro steigt!

Dieses kleine Beispiel ist nicht an den Haaren herbeigezogen. Die Ausgangslage entspricht den heutigen Bedingungen bei einer 100-Prozent-Finanzierung. Auch ein Zinssatz von 6,5 Prozent ist keinesfalls unrealistisch. Zuletzt hatten wir solch ein Zinsniveau im Jahr 2000. Und angesichts möglicher Inflationsgefahren ist dies sogar eine sehr konservative Annahme.

Wie sollte man sich also heute verhalten, wenn man eine mittel- und langfristig höhere Inflation erwartet?

  • Wer derzeit vor der Entscheidung für ein Immobiliendarlehen steht, sollte eine 15- oder sogar 20jährigen Zinsbindung wählen, falls nur eine einprozentige Tilgung möglich ist. Die Flexibilität bleibt erhalten, denn nach § 489 BGB können auch solche Darlehen nach 10 Jahren einseitig vom Kunden gekündigt werden.

  • Wer eine 10jährige Zinsbindung vereinbart, sollte mindestens 2 Prozent tilgen oder - bei geringerer Tilgung - von Sondertilgungsrechten Gebrauch machen. Die Sondertilgung sollte so bemessen sein, dass nach Ablauf der 10jährigen Zinsbindung nur noch maximal 80 Prozent der ursprünglichen Investitionskosten (Kaufpreis oder Baukosten) finanziert sind. Das ist eine wichtige Finanzierungsgrenze für viele Banken und macht einen etwaigen Bankwechsel einfacher.

  • Wer sich mit Sondertilgungen schwertut, weil ihm das unregelmäßige Sparen nicht liegt, der ist mit einem Bausparvertrag sehr gut beraten. Da eine Bausparkasse ein geschlossenes System ist, unterliegt sie nicht den Refinanzierungsschwierigkeiten, wie wir sie aktuell bei vielen Banken erleben. Ein Bausparvertrag bietet genau das, was in einem inflationären Umfeld viel Wert ist: Zinssicherheit!

  • Wenn das Ende der Zinsbindung näher rückt, dann sollte man ein Forward-Darlehen ins Auge fassen. Bis zu drei Jahre im Voraus, bei manchen Banken sogar fünf Jahre vor Ablauf der Zinsbindung, kann man sich bereits die Zinsen vertraglich sichern.

Diese pauschalen Hinweise ergänzen wir gerne im persönlichen Gespräch durch ganz individuelle. Auch in finanzpolitisch schwierigen Zeiten haben wir den Anspruch, Sie sicher durch den Dschungel der Lockangebote, haltlosen Zinsversprechen und zurückhaltenden Banken zu bringen.

 

 



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